Migräne

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"Die meisten Rückenbeschwerden entstehen durch die einseitige Art des Denkens, das sich die Menschheit in unserer Zeit angeeignet hat. Das Bewußtsein ist zu sehr an den Leib gebunden. Dem Denken fehlt die Seele und damit die innere Wärme des Glaubens und der Liebe. Der ganze Mensch tendiert durch die Macht des Intellektualismus dazu, in seinen Gliedern ganz Kopf zu werden. Der Kopf ist der härteste, kompakteste Teil des Leibes. Durch den einseitigen idealistischen Intellektualismus, der sich wie eine Schlinge aus Draht um die Glieder des Leibes windet, neigt der ganze Rücken dazu, mit seiner Muskulatur Kopf zu werden. So ist eines der häufigsten Zeitprobleme die verspannte, manchmal bretthart gewordene Rückenmuskulatur, die sich bis zu schmerzhafter Migräne ausweiten kann.

Eine Massage kann das Problem nur auf äußere Weise lindern. Das Wichtigste für den Menschen in der gegenwärtigen Zeit ist die schöpferische und willentliche Entfaltung der Gedanken und Empfindungen auf einer Stufe, die von materiellen oder zwanghaften, ideologischen Ansprüchen frei ist. Diese schöpferische Entfaltung der Gedanken durchwärmt die Muskulatur von innen und bewirkt eine angenehme, weiche, wie auch ausgeglichene Elastizität im Bewegungsapparat." [1]

"Nun ist es eine tiefe Wahrheit, der wir sehr häufig begegnen, daß jene Organe, die von der Krankheit betroffen sind und die funktionell Störungen aufweisen oder gar eine Insuffizienz zeigen, meist gar nicht die eigentlichen Organe sind, die primär auslösend wirken. Sie erkranken in der Folge oder sie erkranken innerhalb einer fortgesetzten Wirkung. Ein häufiges Beispiel dafür ist, daß sich Leberkrankheiten gar nicht so sehr in der Leber unbedingt auswirken müssen, sondern sich auf das Herz auswirken und dort eine Herzinsuffizienz bringen. Oder es wirken sich die Stoffwechselentgleisungen direkt auf den polaren Gegenspieler aus, und das ist das Nervensystem. Das Nervensystem wird krankmachend betroffen, wie das beispielsweise häufig bei der akuten Psychose und bei der Epilepsie der Fall ist. In der Regel sind die zur Psychiatrie zählenden Psychosen und zur Neurologie eingeteilten Epilepsien Krankheiten, bei denen untere Organe aus ihrem vegetativen Halt entgleiten. So können wir das zugehörige Organ suchen, das sich mit einer Überreaktion, mit einer überdurchschnittlichen Ausdehnung hineinbewegt und das Nervensystem zum vollkommenen Entgleisen oder zumindest zur Überreizung bringt. Dies ist auch ganz besonders bei der Migräne der Fall. Eine Migräne beginnt nicht im Nervensystem, sondern sie beginnt im Verdauungssystem, wenigstens können wir im Verdauungssystem die Überdehnung und den unbewußten übersteigerten Einfluß wahrnehmen, der sich bis hinein in die Gehirnstränge fortsetzt und dort schließlich einen Krampfzustand in den Nerven und Arterien verursacht. Die natürlichste Behandlung liegt in der ruhigen Entspannung in der Rückenlage, die eventuell verbunden mit Wärme auf dem Bauchraum gezielt über eine Stunde ausgeführt wird. Eine sanfte, weiche Atmung bei beständiger Wachheit ist hilfreich und bringt die verspannten Organe zur natürlichen Ruhe. Der Betroffene kann diese Entspannung trotz des tobenden Schmerzes im Kopfe mit einiger Disziplin lernen, und er kann zur Unterstützung eine größere Menge Bittermittel oder einen Tee aus Absinthium (Wermut) und Centaury (Tausendgüldenkraut) wählen." [2]

Diese Wechselwirkungen zwischen dem Stoffwechsel- und dem Nervensystem beschreibt bereits ausführlich Rudolf Steiner im Rahmen des dreigegliederten Menschenbildes in einigen seiner Vorträge. So zum Beispiel in dem Vortragszyklus »Geisteswissenschaft und Medizin«, wo er das Krankheitsbild der Migräne folgendermaßen darstellt:

"Die Migräne ist ja in Wahrheit nichts anderes als ein Verlegen von Verdauungstätigkeiten, die eigentlich im übrigen Organismus sitzen sollten, in den Kopf hinein, ... Es ist darüber zu sagen, daß durch dieses Stattfinden einer nicht in den Kopf hineingehörigen Verdauungstätigkeit den Kopfnerven etwas aufgeladen wird, von dem sie im normalen Leben entlastet sind. Gerade dadurch, daß im Kopfe nur eine ganz geregelte Verdauungstätigkeit, also Aufnahmetätigkeit, vor sich geht, dadurch sind die Kopfnerven entlastet, sind zu Sinnesnerven umgestaltet. Dieser Charakter wird ihnen genommen, wenn im Kopfe eine so wie eben charakterisierte ungeordnete Tätigkeit stattfindet. Sie werden daher innerlich empfänglich, empfindlich, und auf dieser innerlichen Empfindung desjenigen, für was der Innenorganismus eben keine Empfindung haben sollte, beruhen auch die Schmerzen, die bei der Migräne auftreten, überhaupt diese ganzen Zustände. Es ist auch durchaus begreiflich, wie ein Mensch sich fühlen muß, der, statt daß er die Umwelt, die Außenwelt wahrnimmt, plötzlich gezwungen ist, das Innere seines Kopfes wahrzunehmen. Nun, wer aber diesen Zustand richtig erschaut, wird bei der Migräne doch nur als auf das beste Heilmittel auf das In-Ruhe-Ausschlafen derselben oder dergleichen hinweisen können." [3]

"Wer beispielsweise bei einem Patienten, der unter Migräne leidet, erkennen möchte, ob diese Migräne durch eine primäre Erkrankung des Kopfes, ob sie aus dem Stoffwechsel heraus durch aufsteigende Unruhe oder ob sie durch die Wirbelsäule und muskuläre Spannungszustände verursacht ist, (...) kann schließlich den Gedanken hereinführen, dass die vom Stoffwechsel unruhig aufsteigenden Kräfte, die die Migräne verursachen, jene Aura einer ungeordneten Überdehnung und Schwäche des Stoffwechsels und einer das Bewusstsein bedrängenden und einhüllenden Atmosphäre offenbaren. Es sind formlose Kräfte, die sich der Struktur entziehen und tatsächlich von unten nach oben aufsteigen. Diese lassen schließlich die Kopfregion nicht mehr zu ihrer strukturbildenden und dynamischen Erkraftung kommen." [4]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Heinz Grill, Die Entwicklung eines schöpferischen Denkens und Empfindens am Beispiel der Anatomie und Physiologie des Körpers S. 52
  2. Heinz Grill, Die Entwicklung eines schöpferischen Denkens und Empfindens am Beispiel der Anatomie und Physiologie des Körpers S. 184 f.
  3. Rudolf Steiner, Geisteswissenschaft und Medizin (GA 312), 15. und 16. Vortrag
  4. Heinz Grill, Das Wesensgeheimnis der Seele, S. 71 f.